IW: US-Zwischenwahlen dürften an Trumps Zollpolitik kaum etwas ändern
Veröffentlicht · Freitag, 30. Oktober 2026 um 14:14 Uhr
Vor den anstehenden US-Zwischenwahlen rechnet das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) nicht mit einer deutlichen Abkehr von Donald Trumps Zollkurs. Auch wenn den Republikanern Rückschläge drohen, seien die politischen Hebel für eine Kurskorrektur begrenzt.
## Was ist passiert?
In den kommenden Tagen finden in den USA die Zwischenwahlen statt, bei denen Präsident Donald Trumps Republikaner nach Einschätzung von Beobachtern Rückschläge hinnehmen könnten. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat die möglichen Folgen für die US-Handelspolitik analysiert und kommt zu dem Schluss, dass selbst ein für die Republikaner ungünstiger Ausgang kaum Auswirkungen auf Trumps Zollkurs haben dürfte. Die Chancen auf eine politische Kehrtwende in der Handelspolitik stünden demnach schlecht.
## Der Hintergrund
Seit seinem Amtsantritt hat Donald Trump die US-Handelspolitik maßgeblich auf Zölle als wirtschaftspolitisches Instrument ausgerichtet. Die Zwischenwahlen gelten traditionell als Stimmungstest für die amtierende Regierung, da sie über die Mehrheitsverhältnisse im Kongress entscheiden. Ein Kontrollverlust der Republikaner in einer oder beiden Kammern würde theoretisch die Möglichkeit eröffnen, der Regierung in bestimmten Politikfeldern Grenzen zu setzen. Das IW weist jedoch darauf hin, dass die Handelspolitik in den USA traditionell stark in der Hand der Exekutive liegt und der Präsident über weitreichende eigenständige Befugnisse verfügt, Zölle zu verhängen oder anzupassen. Ein Wechsel der Mehrheitsverhältnisse im Kongress würde daher nicht automatisch zu einer Korrektur des eingeschlagenen Zollkurses führen.
## Warum ist das für Wirtschaft und Märkte wichtig?
Die Einschätzung des IW ist für international ausgerichtete Unternehmen und Investoren von Bedeutung, da sie Planungssicherheit über die kommenden Monate hinweg betrifft. Zölle beeinflussen Lieferketten, Preise und Investitionsentscheidungen von Unternehmen, die mit den USA Handel treiben oder dort produzieren. Bleibt der Zollkurs trotz möglicher politischer Verschiebungen im Kongress im Kern unverändert, müssen sich Firmen und Handelspartner weiterhin auf die bestehenden Rahmenbedingungen einstellen, statt auf kurzfristige Entspannungssignale zu hoffen. Auch für die deutsche Exportwirtschaft, die stark von stabilen und berechenbaren Handelsbeziehungen zu den USA abhängt, ist diese Einschätzung relevant, da sie signalisiert, dass strukturelle Anpassungen eher langfristiger Natur sein dürften als Folge eines einzelnen Wahltermins.
## Was bedeutet das für Anleger?
Für Anleger liefert die IW-Analyse einen wichtigen Anhaltspunkt zur Einordnung politischer Risiken rund um die US-Zwischenwahlen. Sollte sich die Einschätzung bestätigen, dass die Handelspolitik weitgehend unverändert bleibt, dürfte dies kurzfristige Marktreaktionen auf das Wahlergebnis dämpfen, soweit sie allein auf Hoffnungen einer Zollwende beruhen. Gleichwohl bleiben politische Börsen grundsätzlich mit Unsicherheiten behaftet, und Marktteilnehmer sollten politische Börsenereignisse nicht überbewerten. Eine individuelle Anlageentscheidung sollte stets auf einer breiten Informationsbasis und unter Berücksichtigung der persönlichen Anlageziele getroffen werden.
## Was jetzt wichtig wird
- Das tatsächliche Ergebnis der US-Zwischenwahlen und die daraus resultierenden Mehrheitsverhältnisse im Kongress - Mögliche Reaktionen der Trump-Regierung auf ein verändertes politisches Kräfteverhältnis in Washington - Signale aus der US-Handelspolitik hinsichtlich bestehender oder neuer Zollmaßnahmen - Reaktionen internationaler Handelspartner, insbesondere der EU, auf die weitere Entwicklung des US-Zollkurses
Quelle: Handelsblatt